EEG Umlage und Strompreisentwicklung

Relative Strompreisänderung jeweils im Vergleich zum Vorjahr. 2016 zahlten Verbraucher nach dieser Grafik 28,73 Cent pro Kilowattstunde.Grafik: pv magazine/Harald Schütt

In der Vergangenheit hat man einen kontinuierlichen Anstieg der Haushaltskundenpreise gesehen, nach 2006 im Mittel um vier Prozent pro Jahr. Während die Beschaffungskosten, das sind die Energiekosten im Großhandel, gesunken sind, stiegen die EEG-Umlage und die Netzentgelte deutlich an. Diese beiden Strompreiskomponenten machen heute bereits fast 50 Prozent des Gesamtpreises aus. Rechnet man die EEG-Umlage aus der Strompreisentwicklung heraus, stieg er pro Jahr im Mittel nur noch um 1,9 Prozent, das ist nur ein halber Prozentpunkt über der Inflationsrate. In Zukunft wird die EEG-Umlage rein durch den Zubau getrieben, jedoch nicht so stark ansteigen wie in den Boomjahren der Photovoltaik. Es gibt daher keine Grundlage, die vier Prozent jährlicher Steigerung auch für die Zukunft anzunehmen. Was lässt sich für die Zukunft noch sagen?

Die Beschaffungskosten sind abhängig von der Kapazitätsentwicklung, der Preisentwicklung für Brennstoffe wie Kohle und Gas und von politischen Entscheidungen wie einem Kohleausstieg oder einer CO2-Steuer. Trend: tendenziell eher stagnierend.

Rund 20 Prozent des Strompreises macht die EEG-Umlage aus. Ihre Höhe hängt davon ab, wie sich der Zubau vor allem von Offshore-Windkraftanlagen entwickelt, davon, dass ab 2020 die ersten Anlagen aus der Förderung herausfallen, weil sie schon 20 Jahre laufen. Sie hängt auch von der Höhe der Börsenstrompreise ab. Wenn Überlegungen umgesetzt werden, die EEG-Umlage anders zu finanzieren, sinkt der Aufschlag auf den Strompreis. Trend: tendenziell in den nächsten Jahren eher steigende Umlage, im Laufe der nächsten Dekade wieder fallend.

Benötigter Netzausbau und dessen Investitionskosten sowie die Kosten für Redispatch, Netzreserve und Einspeisemanagement führen zu steigenden Netzentgelten. Diese Ausgaben sind nötig, solange die Netze nicht ausreichend ausgebaut sind. Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte könnte die Netzentgelte in einigen Regionen reduzieren, in anderen wiederum zusätzlich erhöhen. Aktuell wird darüber diskutiert, Netzentgelte weniger verbrauchsabhängig und stärker je Netzanschluss zu finanzieren. Das würde den Preis pro Kilowattstunde senken. Trend: tendenziell eher steigend.

Die Umlagen können auch dadurch steigen, dass neue eingeführt werden. Beispielsweise denkbar wäre eine „Ersatzmineralölsteuer“. Sie soll die Ausfälle kompensieren, die entstehen, wenn bei zunehmender Elektromobilität die Einnahmen aus der Mineralölsteuer zurückgehen. Trend: tendenziell eher steigend.

Dem entgegenwirken würde es, wenn die EEG-Umlage auf alle Sektoren(Verkehr, Strom, Wärme) aufgeschlagen würde. Trend: Umlage tendenziell stagnierend oder sogar sinkend.

Die Betrachtung der einzelnen Faktoren zeigt deutlich, wie komplex die Thematik ist – eine einfache Betrachtung der Vergangenheit reicht dabei nicht aus. Besonders die Abhängigkeit der Wirtschaftlichkeit von politischen Unwägbarkeiten über den langen Investitionszeitraum hinweg (Netzentgeltsystematik, EEG-Umlagen-Systematik) erhöhen die Unsicherheit. Ein Szenario, das die Strompreissteigerung der letzten zehn Jahre einfach in die Zukunft extrapoliert, ist nicht plausibler als andere Szenarien. (Angela Pietroni, Juni 2017)

Förderung für Elektroauto in eine PV-Anlage investieren und so mehr als verdreifachen

Mit dem Startschuss zur Förderung der Elektromobilität wird die verbrauchsnahe Erzeugung von ÖKO-Strom mehr und mehr ein Thema für Haus- und Garagenbesitzer. Wird die Förderung in der Höhe von 4.000,– bzw. 3.000,– Euro die jeder Käufer eines Elektroautos bekommt in eine Solarstromanlage investiert, kann er das 3-4 fache über den damit selbst erzeugten Strom einsparen.

Nehmen wir als 1. Beispiel ein Elektroauto

Wenn sie die 4.000,– Euro Förderung in eine 2,4 kWp Solarstromanlage investieren, erzeugt diese auf einem Süddach in 20 Jahren ca. 48.000 kWh Strom. Bei einem Strompreis von derzeit ca. 30 Cent  sind das 14.400,– Euro an Stromkostenersparnis, wird der damit erzeugte Solarstrom selbst verbraucht. Rechnet man eine Stromkostensteigerung mit ein und nimmt 35 Cent als durchschnittlichen Strompreis über die nächsten 20 Jahre hinweg an, dann sind es  16.800 Euro (/20=840,– € im Jahr bzw. 70,– € im Monat) die man mit der Förderung einsparen kann.

Beispiel 2 – Hybridauto

Wenn sie die 3.000,– Euro Förderung in eine 2,0 kWp Solarstromanlage investieren, erzeugt diese auf einem Süddach in 20 Jahren ca. 40.000 kWh Strom. Bei einem Strompreis von derzeit ca. 30 Cent  sind das 12.000,– Euro an Stromkostenersparnis, wird der damit erzeugte Solarstrom selbst verbraucht. Rechnet man eine Stromkostensteigerung mit ein und nimmt 35 Cent als durchschnittlichen Strompreis über die nächsten 20 Jahre hinweg an, dann sind es  14.000 Euro (/20=700,– € im Jahr bzw. 58,33 € im Monat) die man mit der Förderung einsparen kann.

Fazit

Wer die Möglichkeit und den Mut hat in ein Elektroauto und eine PV-Anlage gleichzeitig zu investieren, kann damit ungefähr die Hälfte der Kosten eines Mittelklasse Elektroautos als Geschenk bekommen.

Weltenergierat: Strombedarf verdoppelt sich bis 2060

10. Oktober 2016 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Noch vor 2030 wird der gesamte Energiebedarf pro Kopf seinen Höhepunkt erreichen, prognostiziert der Weltenergierat. Die Nachfrage nach Strom soll im Jahr 2060 jedoch doppelt so hoch sein wie heute.

Technologische Innovationen, Regierungspolitik und geringere Wachstumserwartungen werden in den kommenden Jahrzehnten signifikanten Einfluss auf den Energiesektor haben. Das meldet der Weltenergierat. Während demnach der Energiebedarf pro Kopf noch vor 2030 seinen Höhepunkt erreichen soll, werde sich die Nachfrage nach Elektrizität im Vergleich zu heute bis zum Jahr 2060 jedoch verdoppeln. Diese Ergebnisse gehen aus den Szenarien hervor, die der Weltenergierat in Zusammenarbeit mit Accenture Strategy und dem Paul Scherrer Institute entwickelt und am Montag auf dem 23. World Energy Congress in Istanbul vorgestellt hat.

Die drei Szenarien „Unfinished Symphony”, „Modern Jazz” und „Hard Rock” stellen dem Weltenergierat zufolge drei klar zu unterscheidende Entwicklungsrichtungen des Energiesektors bis 2060 dar und berücksichtigen dabei unter anderem auch regionenspezifische Besonderheiten. Ein Netzwerk von mehr als 70 Experten aus über 25 Ländern hat unter dem Titel „The Grand Transition” die Weltenergieszenarien zusammengestellt. Diese Szenarien wurden der Pressemeldung zufolge mit Hilfe eines globalen Energiesystem-Modells vom Paul-Scherrer-Institute quantifiziert. „Es ist klar zu sehen, dass wir uns inmitten einer großen Energiewende befinden, die grundlegend neue Rahmenbedingungen für die Energieindustrie schaffen wird“, sagte Ged Davis, Executive Chair Scenarios beim Weltenergierat, bei der Vorstellung des Berichts. Während in der Vergangenheit hauptsächlich vom Öl-Fördermaximum oder Peak Oil gesprochen worden sei, würden sich Energieexperten aufgrund bahnbrechender Umwälzungen jetzt auf die Implikationen von Spitzennachfrage konzentrieren.

Vor diesem Hintergrund hebt der Weltenergierat mehrere Schlüssel-Implikationen für den Energiesektor besonders hervor. Zum einen soll die gesamte globale Nachfrage nach Primärenergie bereits vor dem Jahr 2030 ihren Höhepunkt überschreiten. Die Nachfrage nach Strom soll sich jedoch – im Vergleich zu heute – bis zum Jahr 2060 verdoppeln. Die Solar- und Windenergie, die aktuell rund vier Prozent der Stromerzeugung ausmache, werde am stärksten wachsen und bis 2060 einen Anteil von 20 bis 39 Prozent an der Stromerzeugung haben. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe könne auf bis zu 50 Prozent des Primärenergie-Mixes sinken, mit stark unterschiedlichen Folgen für Kohle, Öl und Gas – in allen drei vorgelegten Szenarien wird allerdings das Kohlenstoff-Emissionsbudget in den nächsten 30 bis 40 Jahren überschritten. Öl wird laut Weltenergierat weiterhin eine signifikante Rolle im Transportsektor spielen – der Sektor gilt als größtes Hindernis bei der Dekarbonisierung des Energiesystems – und macht in allen drei Szenarien bis 2060 über 60 Prozent des Energie-Mixes aus, und der Erdgasverbrauch werde weiter konstant steigen.

„Alle Szenarien weisen auf einen Anstieg der Gasnachfrage bis 2060 hin, und zwischen 2035 und 2045 wird eine mögliche Spitzennachfrage nach Öl erwartet“, sagte Nuri Demirdoven, Managing Director bei Accenture Strategy. Falsche Verwendung und fehlgeleitetes Kapital seien schon immer ein Risiko für Energie-Assets gewesen, dies werde aufgrund fundamentaler Verschiebungen in der Industrie weiter steigen. Demirdoven weiter: „In allen drei Szenarien werden jene Unternehmen die Führung übernehmen, die sich am schnellsten anzupassen verstehen und zwei zwingend notwendige Schritte einleiten: ihr Energie-Portfolios hinsichtlich Ausgewogenheit überdenken und darüber hinaus geschäftliche und digitale Technologien nutzen, um Arbeitsweise und Performance über sämtliche Geschäftsbereiche hinweg zu neu zu organisieren.”

Ged Davis ist daher sicher, dass die Energiewirtschaft vor maßgeblichen Veränderungen steht. „Wir begeben uns in eine Welt, in der wir uns nicht nur über verlorenes Vermögen, sogenannte „stranded assets“, sorgen werden, sondern auch über die Auswirkungen von verlorenen Energie-Ressourcen auf ganze Volkswirtschaften.” (Quelle: PV-Magazine)

Strompreise steigen kommendes Jahr – Der langsame Ausbau der Stromnetze wird für den Verbraucher teuer. Der Netzbetreiber Tennet erhöht seine Preise massiv – das schlägt am Ende auch auf die Stromrechnung durch.

Stromkunden müssen sich im kommenden Jahr auf eine höhere Rechnung einstellen. Der Stromnetzbetreiber Tennet erhöht massiv seine Preise und begründet dies mit den Folgekosten der Energiewende. „Unsere Netzentgelte werden zum Jahreswechsel um 80 Prozent steigen“, sagte Tennet-Chef Urban Keussen dem „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe). Das schlage am Ende auch auf die Stromrechnung der Verbraucher durch.

30 Euro mehr für Drei-Personen-Haushalt

Nach Angaben Keussens werde ein Drei-Personen-Haushalt rund 30 Euro mehr im Jahr bezahlen müssen. „Hauptursache für den Anstieg ist, dass der Netzausbau nicht so schnell voran kommt wie der Zubau der Erneuerbaren. Das muss uns alarmieren“, sagte der Manager der Zeitung. Der Ausbau der Netze wird allerdings seit Jahren verzögert durch politischen Streit, lange Genehmigungsverfahren und Proteste entlang der geplanten Trassen.

Die Leitungen fehlen

Das Problem: Ohne einen deutlichen Netzausbau kommt die Energiewende nicht voran, Freilandleitungen sind vielerorts kaum durchsetzbar. Erdkabel sollen auf Dauer helfen. Ohne den Ausbau ist es schwierig, Sonnen- und vor allem den Windstrom aus dem Norden etwa in den Süden der Republik zu bekommen.

Quelle Tagesschau 22.9.2016